Wertschöpfungsabgabe in Österreich 2026

Das Wichtigste auf einen Blick

Status in Österreich Nicht eingeführt - seit den 1980er Jahren nur in Diskussion
Auch bekannt als Maschinensteuer, Robotersteuer, KI-Steuer
Grundidee Sozialbeiträge auf Basis der Wertschöpfung statt nur der Lohnsumme
Ziel Finanzierung des Sozialsystems bei zunehmender Automatisierung
Internationale Beispiele Italien (IRAP), Frankreich (Allgemeine Sozialabgabe)

Die Wertschöpfungsabgabe, auch gern Maschinensteuer oder Robotersteuer genannt, dient der Finanzierung des Sozialsystems, denn sie zielt bei Unternehmen nicht nur auf die Lohnsumme sondern auf die gesamte Wertschöpfung ab. In Österreich wird die Wertschöpfungsabgabe zwar derzeit nicht erhoben, Vorschläge zu ihrer Einführung gehen aber auf die 1980er Jahre zurück, vornehmlich vom damaligen Sozialminister Alfred Dallinger (SPÖ).

Was fällt unter den Begriff „Wertschöpfungsabgabe“?

Die Wertschöpfungsabgabe zielt, wie bereits der Name vermuten lässt, auf die gesamte Wertschöpfung eines Unternehmens ab. Als Wertschöpfung wird in der ökonomischen Lehre der Zuwachs von Werten eines Produktes verstanden. Das Endprodukt hat einen höheren Wert (Zuwachs) als der Wert des Ausgangsprodukts bzw. die Werte der Ausgangsprodukte. Der Zuwachs an Wert wird in der ökonomischen Lehre modellhaft in der sog. Wertschöpfungskette dargestellt. Sie impliziert, dass bei jeder Produktionsstufe ein Wertzuwachs stattfindet.

Wertschöpfungsabgabe und Sozialbeiträge

Sollte eine Wertschöpfungsabgabe eingeführt werden, dann findet die Berechnung der Sozialbeiträge eines Unternehmens nicht mehr auf der Basis der Lohnsummen sondern auf Basis der gesamten Wertschöpfung statt. Die Basis wird also, wenn man so will, ausgeweitet.

Derzeit: Die Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung werden als prozentualer Anteil vom Bruttolohn der Beschäftigten berechnet.

Mit Wertschöpfungsabgabe: Neben den Löhnen würden auch Gewinne, Abschreibungen, Zinsen, Mieten und Pachten als Berechnungsgrundlage herangezogen.

Geschichte der Debatte in Österreich

Obwohl das Konzept der Wertschöpfungsabgabe schon einige Jahrzehnte alt ist, wird es immer wieder neu diskutiert - besonders im Zusammenhang mit der Finanzierung des Sozialstaates:

  • 1980er Jahre: Sozialminister Alfred Dallinger (SPÖ) brachte die Idee erstmals in die österreichische Debatte ein
  • 1997: WIFO-Studie im Auftrag der Arbeiterkammer analysierte Vor- und Nachteile
  • 2016: Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) griff das Thema erneut auf und machte die „Maschinensteuer“ zu einem seiner Schwerpunktthemen
  • 2017: Das EU-Parlament diskutierte Vorschläge zur Berichterstattung über Roboter- und KI-Beiträge zur Wertschöpfung
  • Seit 2023: Die KI-Revolution (ChatGPT etc.) hat die Debatte über Automatisierung und Sozialfinanzierung neu belebt

Wertschöpfungsabgabe als Maschinen-, Roboter- oder KI-Steuer

Derzeit wird der Sozialstaat von den Beschäftigten und den Arbeitgebern finanziert. Bei der Wertschöpfungsabgabe geht es um den Anteil der Arbeitgeber, also um die Lohnnebenkosten. Den Anteil der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer betrifft die Wertschöpfungsabgabe nicht - dieser bleibt weiterhin bestehen.

Argumente für die Wertschöpfungsabgabe

In der heutigen Zeit ist der Personalaufwand keine geeignete Größe mehr, um die Leistung eines Unternehmens zu beurteilen, denn sie ist nicht mehr vom Personalaufwand abhängig. Zwar gibt es noch personalstarke Unternehmen wie Supermärkte oder Restaurants, aber es gibt auch starke Unternehmen, die mit wenig Personal ihre Leistung erzielen. Diese Konzerne sind vor allem im Bereich der neuen Technologien zu verorten - sie können hohe Gewinne ohne großen Personalaufwand erzielen. Werden die Sozialbeiträge wie bisher nach dem Personalaufwand berechnet, müssen diese erfolgreichen Unternehmen im Vergleich zu personalstarken Unternehmen vergleichsweise geringe Sozialbeiträge bezahlen.

Eine andere Argumentationsweise zielt auf die Einnahmen für die Sozialversicherung ab: Mit zunehmender Automatisierung - also dem Einsatz von Maschinen, Robotern und künstlicher Intelligenz - fallen nicht nur Arbeitsplätze weg, sondern in der Folge auch Einnahmen für die Sozialversicherung. Gleichzeitig verursacht das zunehmende Alter der Bevölkerung erhöhte Ausgaben im sozialen Bereich. Dies kann langfristig betrachtet zu einer Reduzierung der Sozialleistungen führen.

Wird die Wertschöpfungsabgabe als Basis für die Sozialbeiträge herangezogen, dann müssten quasi „auch Roboter in die Sozialversicherung einzahlen“. Es kommt also zu einer Erhöhung der Einnahmen der Sozialversicherung.

Wie soll eine Wertschöpfungsabgabe berechnet werden?

Ein Vorschlag für die Berechnung der Wertschöpfungsabgabe sieht folgendermaßen aus: Der Gewinn und verschiedene Aufwendungen - wie zum Beispiel Zinsen für Darlehen oder Abschreibungen für Betriebsanlagen - werden als Grundlage herangezogen. Mit anderen Worten: Zinsen, Gewinn und Abschreibungen werden zu den Löhnen und Gehältern addiert. In die Sozialversicherung fließt dann ein bestimmter Prozentsatz aus dieser Summe.

Berechnungsbasis Derzeit (Lohnsumme) Wertschöpfungsabgabe
Löhne und Gehälter
Gewinne -
Abschreibungen (Maschinen) -
Zinsen für Fremdkapital -
Mieten und Pachten -

Kritik an der Wertschöpfungsabgabe

Natürlich gibt es auch Argumente gegen die Wertschöpfungsabgabe. So wird argumentiert, dass:

  • sie nicht zu mehr Arbeitsplätzen führe
  • sie den technologischen Fortschritt hemme, was sich negativ auf die Wirtschaftsleistung auswirken kann
  • sie zu einem Rückgang von Investitionen führe, was wiederum Innovationen und Produktivitätsfortschritte hemmt
  • sie auch kleinere und mittlere Betriebe treffe
  • sie Freiberufler wie Architekten oder Rechtsanwälte mit einer doppelten Belastung treffe
  • kapitalintensive Branchen wie Energie- und Finanzwirtschaft überproportional belastet würden

Auch das WIFO räumte in seiner Studie von 1997 ein: „Die Wertschöpfungsabgabe bremst langfristig den technischen Fortschritt und wirkt sich damit ungünstig auf Produktivität und Investitionstätigkeit aus.“

Internationale Beispiele

Innerhalb der EU gibt es bereits ähnliche Konzepte:

  • Italien: Die IRAP (Imposta Regionale sulle Attività Produttive) ist eine regionale Wertschöpfungssteuer
  • Frankreich: Die „Allgemeine Sozialabgabe“ (CSG - Contribution Sociale Généralisée) bezieht auch Kapitaleinkünfte ein

Häufige Fragen

Gibt es die Wertschöpfungsabgabe in Österreich?
Nein, in Österreich wird die Wertschöpfungsabgabe derzeit nicht erhoben. Sie ist ein theoretisches Konzept, das periodisch diskutiert wird.

Was ist der Unterschied zwischen Wertschöpfungsabgabe und Maschinensteuer?
Der Begriff „Maschinensteuer“ ist umgangssprachlich und betont die Besteuerung von Investitionen in Maschinen. Die Wertschöpfungsabgabe ist der Fachbegriff und umfasst die gesamte Wertschöpfung (auch Gewinne, Zinsen etc.).

Wer würde von einer Wertschöpfungsabgabe profitieren?
Personalintensive Branchen wie Handel, Gastronomie oder Pflege würden tendenziell entlastet, während kapitalintensive Branchen (Energie, Finanz, Industrie) stärker belastet würden.

Wird eine „KI-Steuer“ kommen?
Derzeit gibt es weder in Österreich noch auf EU-Ebene konkrete Pläne für eine spezielle KI- oder Robotersteuer. Die Debatte wird jedoch durch die zunehmende Automatisierung weiter an Bedeutung gewinnen.

Stand: Jänner 2026. Die Wertschöpfungsabgabe wird in Österreich weiterhin nicht erhoben. Dieser Artikel beschreibt ein theoretisches Konzept.

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