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Private Altersvorsorge in Österreich - Zukunftsvorsorge, Rente und Steuer

Aktualisiert am 8. August 2026·Redaktion finfo.at

Die staatlich geförderte Zukunftsvorsorge bringt 2026 höchstens 162,22 Euro Prämie im Jahr - für eine Einzahlung von 3.817,04 Euro, die zehn Jahre lang gebunden ist. Das sind 4,25 Prozent, und es ist der einzige direkte Zuschuss, den der Staat zur dritten Säule zahlt. Ob sich das rechnet, hängt an einer einzigen Frage: Was die verpflichtende Kapitalgarantie an Rendite kostet, die sie absichert.

Zukunftsvorsorge 2026 Höchstbeitrag 3.817,04 €, Prämiensatz 4,25 %, Prämie höchstens 162,22 €
Bindung Mindestens zehn Jahre ab der ersten Einzahlung
Bei Barauszahlung Halbe Prämie zurück, Erträge mit 27,5 % nachversteuert
Versicherungssteuer 4 % laufend, 11 % bei Einmalerlag unter 15 Jahren Laufzeit (ab 50 unter 10 Jahren)
Sonderausgaben Für Versicherungsprämien seit der Veranlagung 2020 nicht mehr absetzbar
KESt Fällt bei Renten- und Lebensversicherungen nicht laufend an

Die österreichische Altersvorsorge steht auf drei Säulen: der gesetzlichen Pensionsversicherung, der betrieblichen Vorsorge und der privaten Vorsorge. Wie hoch die Lücke im Einzelfall ist, steht schwarz auf weiß im Pensionskonto: Gesamtgutschrift geteilt durch 14 ergibt die Bruttopension. Erst diese Zahl macht die dritte Säule zu einer Rechnung statt zu einem Gefühl.

Die drei Säulen und was sie realistisch leisten

Säule Was dahintersteckt Wer zahlt
1. Gesetzliche Pension Pensionskonto, 1,78 % der Beitragsgrundlage pro Jahr, Umlageverfahren Dienstnehmer und Dienstgeber, 22,8 % des Bruttolohns
2. Betriebliche Vorsorge Pensionskasse, betriebliche Kollektivversicherung, Abfertigung neu überwiegend der Betrieb, 1,53 % in die Vorsorgekasse
3. Private Vorsorge Zukunftsvorsorge, Rentenversicherung, Wertpapierdepot, Immobilie ausschließlich Sie selbst

Die zweite Säule wird regelmäßig übersehen, obwohl sie ohne eigenes Zutun läuft: In die betriebliche Vorsorgekasse fließen 1,53 Prozent des Bruttoentgelts, gezahlt vom Betrieb. Dieses Guthaben ist bei Pensionsantritt abrufbar, und wer es als Rente statt als Kapital bezieht, zahlt darauf keine Steuer.

Prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge: die Zahlen

Die 2003 eingeführte Zukunftsvorsorge nach § 108g EStG ist das einzige Produkt der dritten Säule mit direkter staatlicher Prämie. Angeboten wird sie von Versicherungen und Pensionsinvestmentfonds.

Jahr Höchstmögliche Einzahlung Prämiensatz Höchste Prämie
2023 3.222,18 € 4,25 % 136,94 €
2024 3.337,85 € 4,25 % 141,86 €
2025 3.552,66 € 4,25 % 150,99 €
2026 3.817,04 € 4,25 % 162,22 €

Der Höchstbeitrag ist an die Höchstbeitragsgrundlage der Sozialversicherung gekoppelt: 1,53 Prozent des Sechsunddreißigfachen. Er steigt daher jedes Jahr automatisch. Der Prämiensatz ist gesetzlich zwischen 4,25 und 6,75 Prozent gedeckelt und folgt derselben Formel wie die Bausparprämie; seit 2012 liegt er unverändert am unteren Anschlag. Vor 2012 waren es 8,5 bis 9,5 Prozent - wer die Zukunftsvorsorge nach alten Erfahrungswerten beurteilt, rechnet mit dem Doppelten des heutigen Zuschusses.

Die Bedingungen, die den Zuschuss relativieren

  • Zehn Jahre Kapitalbindung ab der ersten Einzahlung. Wer vorher an das Geld will, verliert die Förderung.
  • Kapitalgarantie ist Pflicht - auf die eingezahlten Beiträge und die Prämien. Das klingt beruhigend, zwingt den Anbieter aber in sichere Anleihen und begrenzt die Rendite. Die Garantie ist der Preis, nicht der Bonus.
  • Aktienquote nach Lebenszyklusmodell: bis zum Alter von 50 Jahren 15 bis 60 Prozent, ab 50 nur noch 5 bis 50 Prozent.
  • Barauszahlung ist teuer: Die Hälfte der erhaltenen Prämien ist zurückzuzahlen, und die bis dahin steuerfreien Kapitalerträge werden mit 27,5 Prozent nachversteuert.
  • Als lebenslange Rente ist die Auszahlung steuerfrei, soweit sie auf prämienbegünstigte Beiträge, die Prämien und die daraus erzielten Erträge zurückgeht.

Damit ist die Zukunftsvorsorge ein Rentenprodukt, kein Sparprodukt. Wer das Kapital am Ende in einer Summe braucht, verliert genau die Vorteile, für die er zehn Jahre gebunden war.

Private Rentenversicherung: worauf es ankommt

Neben der geförderten Variante gibt es die klassische private Rentenversicherung ohne staatliche Prämie. Zu unterscheiden sind drei Formen, die im Alltag durcheinandergeraten:

  • Ablebensversicherung - zahlt beim Tod, dient der Absicherung von Hinterbliebenen und Krediten, nicht der Altersvorsorge.
  • Er- und Ablebensversicherung - kombiniert beides, ist entsprechend teurer.
  • Private Rentenversicherung - eine reine Erlebensversicherung. Sie zahlt ab Pensionsantritt und endet mit dem Tod. Eine Gesundheitsprüfung braucht es dafür nicht.

Die letzte Variante enthält eine Umverteilung, über die selten gesprochen wird: Wer früh stirbt, finanziert die Renten derer, die lange leben. Genau dagegen richten sich die Auszahlungsoptionen.

Die fünf Auszahlungsvarianten

Variante Was passiert beim Tod Wirkung auf die Rentenhöhe
Lebenslange Rente Zahlung endet, Hinterbliebene bekommen nichts niedriger als bei verkürzter Zahlung
Verkürzte Rentenzahlung keine Leistung an Hinterbliebene höher, dafür zeitlich begrenzt
Rentengarantiezeit Zahlung läuft bis zum Ende der Garantiezeit weiter etwas niedriger
Witwenübergang Partner bekommt die Rente lebenslang deutlich niedriger
Kapital-Rückgewähr nicht verbrauchtes Kapital geht an die Hinterbliebenen niedriger

Jede Absicherung kostet Rentenhöhe. Lassen Sie sich deshalb nicht eine Variante anbieten, sondern zwei bis drei mit den jeweiligen Monatsbeträgen nebeneinander - erst der Vergleich zeigt, was die Hinterbliebenenabsicherung tatsächlich kostet.

Klassisch, fondsgebunden oder gemischt

In der Ansparphase entscheidet die Veranlagung über das Ergebnis. Klassische Verträge legen im Deckungsstock an - einem gesetzlich vorgeschriebenen Sondervermögen aus Anleihen, Pfandbriefen, Hypotheken und Immobilien, getrennt vom übrigen Vermögen des Versicherers und von der Finanzmarktaufsicht kontrolliert. Der Aktienanteil ist gering, die Sicherheit hoch, die Rendite entsprechend.

Fondsgebundene Verträge investieren in Investmentfonds; das Kursrisiko trägt der Versicherungsnehmer. Bei diesen Verträgen ist die entscheidende Frage nicht die Fondsauswahl, sondern ob und welche Garantie vereinbart ist - Kapitalgarantie zum Laufzeitende oder Höchststandgarantie. Ohne Garantie kann der Vertrag am Ende unter der Beitragssumme liegen.

Der Garantie- oder Rechnungszins ist die Mindestverzinsung, die der Versicherer über die gesamte Laufzeit zusagt. Er wird von der Finanzmarktaufsicht in der Höchstzinssatzverordnung gedeckelt und ist seit 2000 laufend gesunken - bei Neuverträgen kann er null Prozent betragen. In diesem Fall liegt das garantierte Kapital unter der Summe der eingezahlten Beiträge. Alte Verträge mit hohem Rechnungszins sind deshalb wertvoll und sollten nicht leichtfertig gekündigt werden.

Was die Versicherung steuerlich kostet

Drei Punkte entscheiden über die Nettorendite, und zwei davon werden in Beratungsgesprächen gern verkürzt dargestellt:

  1. Versicherungssteuer. Auf Lebens- und Rentenversicherungen fallen 4 Prozent der Prämie an. Bei einem Einmalerlag gilt dieser Satz nur, wenn die Laufzeit mindestens 15 Jahre beträgt - ab dem vollendeten 50. Lebensjahr genügen 10 Jahre. Wird diese Laufzeit unterschritten, sind es 11 Prozent. Bei vorzeitigem Rückkauf wird die Differenz nachverrechnet.
  2. Sonderausgaben gibt es nicht mehr. Für Verträge, die ab 1. Jänner 2016 abgeschlossen wurden, waren die Topf-Sonderausgaben nie absetzbar; für Altverträge war die Veranlagung 2020 das letzte Jahr. Wer Prämien noch im Formular einträgt, bekommt dafür keine Gutschrift.
  3. Keine laufende KESt. Der Vorteil, der bleibt: Erträge innerhalb der Versicherung unterliegen nicht der laufenden Kapitalertragsteuer von 27,5 Prozent. Bei einem Wertpapierdepot fällt sie bei jeder Ausschüttung und jedem Verkauf an.

Versicherung oder Wertpapierdepot?

Der Steuervorteil der Versicherung steht gegen ihre Kosten. Abschluss-, Verwaltungs- und Risikokosten sind bei Versicherungsmänteln deutlich höher als bei einem ETF-Sparplan, und die 4 Prozent Versicherungssteuer fallen auf jede Prämie an, nicht auf den Ertrag. Die grobe Faustlinie:

  • Für die Versicherung spricht eine sehr lange Laufzeit, der Wunsch nach einer garantierten lebenslangen Zahlung und die Absicherung von Hinterbliebenen im selben Vertrag.
  • Für das Depot spricht Kostentransparenz, jederzeitige Verfügbarkeit und die freie Wahl der Veranlagung. Die steuerlichen Eigenheiten - ausschüttungsgleiche Erträge, Meldefonds - stehen unter ETF.

Was in beiden Fällen gilt: Der wirksamste Hebel ist die Laufzeit, nicht das Produkt. Eine Vorsorge, die mit Mitte dreißig beginnt, hat rund 30 Jahre Zeit - eine, die mit fünfzig beginnt, nur noch 15. Um dieselbe Endsumme zu erreichen, muss der Monatsbeitrag im zweiten Fall ein Vielfaches betragen.

Häufige Fragen

Wie hoch ist die staatliche Prämie zur Zukunftsvorsorge 2026?
4,25 Prozent der eingezahlten Beiträge, höchstens 162,22 Euro bei einer Einzahlung von 3.817,04 Euro. Der Satz ist gesetzlich zwischen 4,25 und 6,75 Prozent gedeckelt und liegt seit 2012 am unteren Rand.

Wie lange ist das Geld in der Zukunftsvorsorge gebunden?
Mindestens zehn Jahre ab der ersten Einzahlung. Wer sich danach das Kapital auszahlen lässt statt eine Rente zu beziehen, muss die Hälfte der Prämien zurückzahlen und die Erträge mit 27,5 Prozent nachversteuern.

Sind Prämien für eine Lebens- oder Rentenversicherung absetzbar?
Nein. Für Verträge ab 1. Jänner 2016 gab es die Topf-Sonderausgaben nie, für ältere Verträge war die Veranlagung 2020 das letzte Jahr.

Wie hoch ist die Versicherungssteuer auf eine Rentenversicherung?
4 Prozent der Prämie. Bei Einmalerlag gilt dieser Satz nur ab 15 Jahren Laufzeit, ab dem vollendeten 50. Lebensjahr ab 10 Jahren. Darunter sind es 11 Prozent.

Zahle ich auf eine private Rentenversicherung KESt?
Nein, die Erträge unterliegen innerhalb der Versicherung nicht der laufenden Kapitalertragsteuer. Dafür fällt Versicherungssteuer auf jede Prämie an.

Wann soll ich mit der privaten Vorsorge beginnen?
So früh wie möglich, weil die Laufzeit stärker wirkt als die Produktwahl. Üblich sind Laufzeiten von 25 bis 30 Jahren, also ein Start um die Mitte dreißig. Prüfen Sie beim Abschluss, ob sich die Beiträge bei einem finanziellen Engpass vorübergehend senken oder aussetzen lassen.

Was passiert mit meiner Rentenversicherung, wenn der Versicherer insolvent wird?
Die Ansprüche sind über den Deckungsstock gesichert, ein gesetzlich vorgeschriebenes Sondervermögen, das getrennt verwaltet und von der Finanzmarktaufsicht kontrolliert wird. Eine Einlagensicherung wie bei Bankguthaben gibt es dafür nicht.

Kann ich die private Pension vor dem Regelpensionsalter beziehen?
Viele Verträge erlauben das über eine vereinbarte Option, oft bis zu fünf Jahre vor dem gesetzlichen Antrittsalter. Diese Möglichkeit muss im Vertrag stehen; nachträglich lässt sie sich meist nicht ergänzen.

Stand: August 2026. Rechtliche Grundlagen: §§ 108g bis 108i EStG (prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge), § 124b Z 285 EStG (Auslaufen der Topf-Sonderausgaben), Versicherungssteuergesetz, Höchstzinssatzverordnung der FMA. Prämiensatz 2026: 4,25 Prozent.

Quellen

wko.at - Die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge, Werte 2026

bmf.gv.at - Beitragsleistung und Prämie zur Zukunftsvorsorge seit 2003 (PDF)

RIS - Prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge gemäß § 108g EStG

bmf.gv.at - Besteuerung von Lebensversicherungen

bmf.gv.at - Versicherungssteuer: Bemessungsgrundlage und Steuersätze

bmf.gv.at - Überblick Altersvorsorge und Drei-Säulen-Modell