Geldanlage

ETF in Österreich - Kosten, Steuern und Auswahl

Aktualisiert am 7. August 2026·Redaktion finfo.at

Das Wichtigste auf einen Blick

Was es istein börsengehandelter Fonds, der einen Index nachbildet
Laufende Kosten0,05 bis 0,5 % im Jahr, gegen 1,5 bis 2 % bei aktiven Fonds
Steuer27,5 % KESt - auf Ausschüttungen, Kursgewinne und thesaurierte Erträge
Meldefondsentscheidend: Nicht-Meldefonds werden pauschal und meist höher besteuert
Laufzeitunbegrenzt, jederzeit börsentäglich handelbar
SicherheitSondervermögen - bei Insolvenz der Fondsgesellschaft geschützt

Ein Prozentpunkt Kostenunterschied klingt nach wenig. Bei 20.000 Euro über 25 Jahre und 6 Prozent Bruttorendite sind es rund 24.600 Euro: Der ETF mit 0,2 Prozent laufenden Kosten kommt auf etwa 81.900 Euro, der aktive Fonds mit 1,7 Prozent auf 57.300 Euro. Das ist der eigentliche Grund, warum ETFs den Markt aufgerollt haben - nicht die bessere Auswahl, sondern die niedrigeren Kosten.

Wie ein ETF funktioniert

Ein ETF (Exchange Traded Fund) bildet einen Index nach - den ATX, den MSCI World, den S&P 500. Steigt der Index um 3 Prozent, steigt der ETF um etwa 3 Prozent, abzüglich Kosten. Es gibt keinen Fondsmanager, der Titel auswählt; das Portfolio folgt mechanisch der Indexzusammensetzung. Deshalb heißt diese Anlageform passiv, und deshalb ist sie billig.

Mit einem einzigen Kauf hält man damit hunderte oder tausende Einzelwerte. Ein ETF auf den MSCI World deckt rund 1.400 Unternehmen aus 23 Industrieländern ab - eine Streuung, die sich mit Einzelaktien privat nicht darstellen lässt.

Das Geld ist Sondervermögen. Es gehört rechtlich den Anlegern, nicht der Fondsgesellschaft, und wird bei einer Depotbank verwahrt. Geht die Fondsgesellschaft insolvent, fällt das Fondsvermögen nicht in die Masse. Anders als beim Sparbuch gibt es dafür keine Einlagensicherung - die braucht es hier auch nicht, wohl aber die Bereitschaft, Kursschwankungen auszuhalten.

Kosten: worauf es wirklich ankommt

Drei Kostenblöcke, in absteigender Bedeutung:

  • TER (Gesamtkostenquote): Die laufenden Kosten, die dem Fondsvermögen täglich entnommen werden. Bei breiten Standard-ETFs liegen sie zwischen 0,05 und 0,25 Prozent im Jahr, bei Nischen- und Themen-ETFs deutlich darüber. Die TER wird nie in Rechnung gestellt, sie ist bereits vom Kurs abgezogen.
  • Tracking Difference: Der tatsächliche Abstand zwischen ETF und Index über ein Jahr. Sie ist die ehrlichere Zahl als die TER, weil sie auch Erträge aus Wertpapierleihe und Steuereffekte enthält - manche ETFs schlagen ihren Index dadurch sogar knapp.
  • Ordergebühren und Depotkosten der Bank oder des Brokers. Bei einmaligen Käufen fallen sie kaum ins Gewicht, bei kleinen regelmäßigen Beträgen sehr wohl - dazu mehr im Beitrag zum ETF-Sparplan.

Die TER allein sagt wenig über die Qualität. Zwei ETFs auf denselben Index mit identischer TER können sich über Jahre um mehrere Zehntelprozentpunkte auseinanderentwickeln. Wer vergleichen will, sieht sich die Tracking Difference der letzten drei bis fünf Jahre an statt bloß das Kostenschild.

Steuern in Österreich: der Punkt, der wirklich zählt

Auf Erträge aus ETFs fallen 27,5 Prozent Kapitalertragsteuer an - nicht die 25 Prozent, die für Sparbuchzinsen gelten. Besteuert werden drei Dinge: Ausschüttungen, realisierte Kursgewinne beim Verkauf und - das ist die österreichische Besonderheit - die ausschüttungsgleichen Erträge thesaurierender Fonds.

Thesaurierend heißt nicht steuerfrei

Ein thesaurierender ETF schüttet nicht aus, sondern legt die Erträge wieder an. Steuerlich ändert das in Österreich wenig: Die im Fonds erwirtschafteten Erträge gelten als zum 31. Dezember jedes Jahres zugeflossen und werden dann besteuert, obwohl kein Geld geflossen ist. Eine Steuerstundung wie in Deutschland gibt es hier nicht.

Damit später keine Doppelbesteuerung entsteht, erhöhen die bereits versteuerten Beträge die Anschaffungskosten des Anteils. Beim Verkauf wird nur noch die Differenz besteuert. Bei einer österreichischen Depotstelle passiert das automatisch.

Meldefonds oder Nicht-Meldefonds - der teuerste Unterschied

Ein Meldefonds übermittelt seine Steuerdaten jährlich an die Oesterreichische Kontrollbank. Dann sind die tatsächlichen Erträge bekannt, und genau diese werden besteuert.

Bei einem Nicht-Meldefonds - umgangssprachlich „schwarzer Fonds" - kennt der Fiskus die Ertragszusammensetzung nicht und schätzt pauschal. Angesetzt wird der höhere dieser beiden Werte:

  • 90 Prozent des Unterschiedsbetrags zwischen dem ersten und dem letzten Rücknahmepreis des Kalenderjahres,
  • mindestens aber 10 Prozent des letzten Rücknahmepreises des Kalenderjahres.

Was das bedeutet: Die 10-Prozent-Mindestschätzung greift unabhängig davon, ob der Fonds überhaupt gestiegen ist. Bei einem Anteilswert von 10.000 Euro werden also mindestens 1.000 Euro als Ertrag angenommen und mit 27,5 Prozent besteuert - 275 Euro Steuer, auch in einem Verlustjahr. Über zehn Jahre summiert sich das zu einem Betrag, der jeden Kostenvorteil auffrisst.

Vor dem Kauf lässt sich der Meldefonds-Status im Fondsdatenservice der Oesterreichischen Kontrollbank kostenlos prüfen. Praktisch alle in Österreich vertriebenen ETFs großer Anbieter sind Meldefonds - kritisch wird es bei über ausländische Broker gekauften Nischenprodukten und bei US-domizilierten ETFs.

Steuereinfach oder nicht

Bei einer österreichischen Depotstelle zieht die Bank die KESt automatisch ab und führt sie ab; damit ist die Steuerpflicht erledigt. Bei ausländischen Brokern ohne steuerlichen Vertreter muss man die Erträge selbst in der Steuererklärung angeben - jedes Jahr, auch bei thesaurierenden Fonds ohne Zahlungsfluss. Wer das übersieht, hat nach Jahren ein Problem, das mit den ersparten Ordergebühren nicht aufzuwiegen ist.

Ein Vorteil der österreichischen Depotstelle wird oft übersehen: Sie führt den Verlustausgleich innerhalb des Depots automatisch durch. Gewinne aus einem Verkauf werden mit Verlusten aus einem anderen im selben Jahr gegengerechnet, die zu viel einbehaltene KESt wird gutgeschrieben. Details dazu im Beitrag zur Kapitalertragsteuer.

Die vier Entscheidungen bei der Auswahl

1. Welcher Index?

Der Index bestimmt Rendite und Risiko weit mehr als die Anbieterwahl. Breite Welt-Indizes wie der MSCI World oder der FTSE All-World sind der Standard für langfristige Anlage; Länder- oder Branchen-ETFs erhöhen das Risiko, ohne systematisch mehr Rendite zu bringen. Der ATX etwa umfasst rund 20 Unternehmen aus einem kleinen Markt - als alleinige Anlage ist er ein Klumpenrisiko.

2. Physisch oder synthetisch?

Physisch replizierendSynthetisch (Swap-basiert)
Aufbaukauft die Indexwerte tatsächlichTauschgeschäft mit einer Bank
Nachvollziehbarkeithochgering
Zusätzliches RisikoWertpapierleiheAusfall des Swap-Partners
EinsatzStandard bei breiten Indizesschwer zugängliche Märkte, Rohstoffe

Bei sehr großen Indizes verwenden physische ETFs oft ein Sampling: Sie kaufen nicht alle Titel, sondern eine repräsentative Auswahl. Das ist üblich und kein Mangel.

3. Ausschüttend oder thesaurierend?

In Österreich ist der Unterschied kleiner als anderswo, weil thesaurierte Erträge ohnehin jährlich besteuert werden. Es bleibt eine praktische Frage: Wer regelmäßige Auszahlungen möchte, nimmt einen ausschüttenden ETF. Wer ohne Zutun weiter anlegen will, den thesaurierenden - dann muss allerdings genug Geld auf dem Verrechnungskonto liegen, damit die Bank die KESt zum Jahreswechsel abbuchen kann.

4. Fondsvolumen und Alter

Sehr kleine ETFs werden häufiger geschlossen oder verschmolzen. Das ist kein Verlustrisiko - man bekommt den Gegenwert -, löst aber einen steuerpflichtigen Verkauf zur Unzeit aus. Ein Volumen ab etwa 100 Millionen Euro und eine Historie von mehreren Jahren sind ein brauchbarer Filter.

Was ETFs nicht können

Ein ETF streut über viele Unternehmen, aber er nimmt das Marktrisiko nicht weg. Fällt der Gesamtmarkt um 40 Prozent, fällt der ETF um 40 Prozent. Wer 2008 kaufte, brauchte je nach Index mehrere Jahre bis zur Erholung.

Daraus folgen zwei nüchterne Regeln: Geld, das in den nächsten fünf bis zehn Jahren gebraucht wird, gehört nicht in Aktien-ETFs - dafür sind Festgeld oder Tagesgeld da. Und der Notgroschen bleibt erreichbar, damit man im Kursrückgang nicht verkaufen muss.

Zwei weitere Punkte, die selten genannt werden: Ein ETF auf einen währungsfremden Index trägt Währungsrisiko - ein MSCI World in Euro schwankt auch mit dem Dollarkurs. Und die verbreiteten Welt-Indizes sind stark auf die USA und auf wenige Technologiekonzerne konzentriert; „weltweit gestreut" ist weniger gleichmäßig, als der Name vermuten lässt.

Häufig gestellte Fragen

Wie werden ETFs in Österreich besteuert?

Mit 27,5 Prozent Kapitalertragsteuer auf Ausschüttungen, realisierte Kursgewinne und ausschüttungsgleiche Erträge thesaurierender Fonds. Bei einer österreichischen Depotstelle behält die Bank die Steuer automatisch ein.

Was ist ein Meldefonds?

Ein Fonds, der seine Steuerdaten jährlich an die Oesterreichische Kontrollbank meldet. Dann werden die tatsächlichen Erträge besteuert. Bei Nicht-Meldefonds schätzt der Fiskus pauschal: 90 Prozent des Jahreswertzuwachses, mindestens 10 Prozent des Rücknahmepreises am Jahresende.

Sind thesaurierende ETFs in Österreich steuerfrei bis zum Verkauf?

Nein. Die im Fonds erwirtschafteten Erträge gelten jeweils zum 31. Dezember als zugeflossen und werden besteuert, auch ohne Auszahlung. Die versteuerten Beträge erhöhen die Anschaffungskosten, sodass beim Verkauf keine Doppelbesteuerung entsteht.

Was kostet ein ETF im Jahr?

Breite Standard-ETFs liegen bei 0,05 bis 0,25 Prozent Gesamtkostenquote, aktiv gemanagte Fonds meist bei 1,5 bis 2 Prozent. Aussagekräftiger als die TER ist die Tracking Difference der letzten Jahre.

Was passiert mit meinem Geld, wenn der Anbieter pleitegeht?

Nichts. Das Fondsvermögen ist Sondervermögen und gehört den Anlegern; es fällt nicht in die Insolvenzmasse der Fondsgesellschaft.

Haben ETFs eine Laufzeit?

Nein, sie laufen unbegrenzt und sind börsentäglich handelbar. Ein Anbieter kann einen Fonds aber schließen oder verschmelzen - bei sehr kleinen Fonds kommt das häufiger vor und löst einen steuerpflichtigen Verkauf aus.

Ist ein ETF sicherer als eine Einzelaktie?

Das Risiko eines einzelnen Unternehmens ist weitgehend weg, das Marktrisiko bleibt vollständig. Fällt der Gesamtmarkt, fällt der ETF im gleichen Ausmaß.

Quellen

oekb.at - Steuerdaten und Meldefonds-Status

bmf.gv.at - Substanzgewinne und realisierte Wertsteigerungen

§ 27a EStG - besondere Steuersätze auf Kapitalvermögen

wko.at - Besteuerung von Kapitalvermögen im Privatvermögen (PDF)