Businessplan erstellen in Österreich - Aufbau und Finanzteil
| Businessplan in Österreich - Das Wichtigste auf einen Blick | |
|---|---|
| Zweck | Finanzierung sichern, Geschäftsidee strukturieren, Wirtschaftlichkeit prüfen |
| Umfang | Typischerweise 20-40 Seiten |
| Kernelemente | Executive Summary, Geschäftsidee, Marktanalyse, Finanzplan |
| Kostenloses Tool | Plan4You (WKO/aws) - auch für Bankvorlage geeignet |
| Beratung | Gründerservice der WKO (kostenlos) |
| Wettbewerb | i2b - Österreichs größter Businessplan-Wettbewerb |
Ein Businessplan umfasst typischerweise 20 bis 40 Seiten - gelesen wird davon in der Bank vor allem eines: der Finanzteil. Kapitalbedarf, Rentabilitätsvorschau über drei Jahre und der Liquiditätsplan Monat für Monat entscheiden über die Zusage. Der Rest des Dokuments begründet die Zahlen, er ersetzt sie nicht.
Was ist ein Businessplan und wofür ist er notwendig?
Im Prinzip handelt es sich bei einem Businessplan um eine Berechnung der Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens. Hier wird konkret darauf eingegangen, wie sich zum Beispiel das investierte Kapital in der kommenden Zeit verhält oder welche nächsten Schritte für die Entwicklung des Unternehmens geplant sind. Kalkuliert wird mit korrekten Werten, um ein möglichst realistisches Szenario schaffen zu können.
Genutzt wird der Businessplan in zwei unterschiedlichen Varianten:
- Interne Planung: Der Plan dient dazu, sich als Gründer selbst erst einmal einen Eindruck darüber zu verschaffen, wie erfolgreich die eigenen Planungen in der Praxis wirklich sein können - ein wunderbares Indiz dafür, ob sich die Gründung unterm Strich überhaupt lohnt.
- Externe Finanzierung: Der Businessplan dient als wichtige Grundlage für die Finanzierung des Unternehmens. Speziell dann, wenn Fremdkapital notwendig ist, wird mit einem Businessplan die Bank bzw. der Kreditgeber darüber aufgeklärt, was mit dem Geld passieren soll und wie sich das Ganze entwickeln wird.
Hier gilt: Je genauer der Businessplan formuliert ist, desto überzeugender wirkt er. Zusätzlich dazu sollte immer darauf geachtet werden, dass die naheliegenden Ziele möglichst ausformuliert im Businessplan dargestellt werden. Das überzeugt beim Lesen und macht später überprüfbar, ob die Ziele erreicht wurden.
Aufbau des Businessplans
Wir listen hier die wichtigsten Bestandteile eines Businessplans bzw. Gründungskonzepts auf und geben zu jedem Punkt eine kurze Erläuterung, damit Sie unkompliziert, aber trotzdem professionell einen Plan erstellen können.
1. Executive Summary (Zusammenfassung)
Das Executive Summary gibt einen raschen Überblick über das Gesamtvorhaben und soll zur weiteren Beschäftigung mit Ihrem Projekt animieren. Es enthält das Deckblatt, das Inhaltsverzeichnis und eine prägnante Zusammenfassung der Geschäftsidee. Wie bei einem Film-Trailer sollte das Executive Summary viele Informationen enthalten, aber trotzdem Neugierde bezüglich der kommenden Details erzeugen. Obwohl es an erster Stelle steht, wird es erst zuletzt erstellt - wenn alle anderen Kapitel abgeschlossen sind.
2. Lebenslauf des Gründers oder der Gründer
Mögliche Investoren interessieren sich natürlich für die Personen, denen sie ihr Geld anvertrauen. Deshalb sollten in den Lebensläufen vor allem die Punkte hervorgehoben werden, die eine besondere Befähigung für die angestrebte Geschäftspraxis belegen. Eine tabellarische Form ist ausreichend.
3. Rechtsform und Standort
Die notwendige Rechtsform wird meist von externen Faktoren bestimmt - hier hilft der Steuerberater gerne weiter. Bei der Standortwahl gibt es in vielen Fällen ebenso praktische Einschränkungen, aber je nach Unternehmensgegenstand kann der Standort über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Ein wichtiger Faktor ist die Notwendigkeit von Laufkundschaft im Geschäftskonzept: Ein Architekt wird diese weniger benötigen als ein Schuhgeschäft.
4. Marktanalyse und Konkurrenzanalyse
Besonders wichtig ist dieser Punkt für den Gründer selbst. Die eigene Idee muss nämlich am Markt gemessen werden. Die Gewichtung der Marktanalyse muss jedoch für ein aussagekräftiges Ergebnis richtig bestimmt werden: Für eine Webdesign-Agentur kann die regionale Marktanalyse weniger Bedeutung haben als für eine Tanzschule.
Zur Konkurrenzanalyse gehört auch die Betrachtung von Substituten. Ein Taxiunternehmen konkurriert nicht allein mit anderen Taxifirmen, sondern mit jeder Art von städtischem Transport - auch öffentliche Verkehrsmittel oder Fahrräder. In manchen Fällen kann eine Akkumulation von Geschäften sogar einen Vorteil darstellen: In Einkaufszentren befinden sich oft mehrere Modegeschäfte nebeneinander und ziehen gegenseitig Kunden an.
5. Finanzplan
Oft wird dieser Teil als der wichtigste Part im Businessplan angesehen. Tatsächlich sagt er viel über die Umsetzbarkeit und Realitätsnähe der Idee aus. Der Finanzplan sollte enthalten:
- Kapitalbedarf: Wie viel Geld wird für den Start und die ersten Monate benötigt?
- Finanzierung: Eigenmittel, Fremdkapital, Förderungen?
- Fixkosten und laufende Kosten: Miete, Personal, Versicherungen, Unternehmerlohn
- Umsatzplanung: Realistische Absatzmengen und erwartete Umsätze
- Plan-Gewinn- und Verlustrechnung: Entwicklung von Umsätzen, Aufwendungen und Erträgen
Auf der Kostenseite darf nichts vergessen werden und die Recherche muss sehr genau sein. Bei der Rentabilität müssen branchenübliche Sätze ermittelt werden - in der Holzindustrie kann der Gewinnaufschlag nur wenige Prozentpunkte betragen, während in anderen Branchen sogar 100 % und mehr möglich sein kann.
Businessplan erstellen: Schritt für Schritt
Gerade dann, wenn möglicherweise das erste Mal ein Businessplan erstellt werden soll, tun sich einige Menschen für gewöhnlich schwer mit dieser Aufgabe. Das muss aber nicht sein, denn mit einem geordneten Ablauf geht der Businessplan deutlich schneller von der Hand.
1. Geschäftsidee formulieren
Wenig überraschend muss zu Beginn der Gründung erst einmal eine Geschäftsidee formuliert werden. Diese muss so ausformuliert werden, dass alle Leser des Businessplans sofort verstehen, worauf das Geschäft basiert. Kann die Bank dies nicht nachvollziehen, wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch kein Kredit vergeben.
Zusätzlich dazu muss neben der Geschäftsidee die jeweilige Zielgruppe definiert werden. Die Zielgruppe sollte möglichst genau eingegrenzt werden, denn das hilft auch im weiteren Verlauf des Businessplans - etwa wenn das Kaufverhalten bzw. die Bedürfnisse der Zielgruppe analysiert werden sollen.
2. Potenzial der Geschäftsidee herausarbeiten
Im eigenen Interesse oder auch um weitere Überzeugungsarbeit bei Kreditgebern zu leisten, sollte das Potenzial der eigenen Geschäftsidee herausgearbeitet werden. Damit ist gemeint, dass hier dargestellt werden sollte, warum das eigene Produkt für den Markt innovativ und fortschrittlich ist bzw. warum sich die Kunden für das eigene Produkt entscheiden werden. Hilfreich kann es sein, das eigene Produkt mit einem bereits vorhandenen Produkt auf dem Markt zu vergleichen und die Vorteile herauszuarbeiten.
3. Markt, Konkurrenz und Wettbewerb analysieren
Ein enorm wichtiger Bestandteil eines Businessplans ist die Analyse des Marktes, der Konkurrenz und des Wettbewerbs. Zunächst muss mit Hilfe der Marktanalyse herausgefunden werden, wie genau der Markt aufgebaut ist: Ist ein großer Markt für das eigene Produkt vorhanden? Wie gestaltet sich das Wachstum? Wann kommt es möglicherweise zu einer Sättigung?
Bei der Konkurrenzanalyse sollte ein Blick auf die Arbeit der Mitbewerber geworfen werden: Womit können diese überzeugen? Was könnte beim eigenen Produkt besser gemacht werden? Zusätzlich gehört die Einschätzung des Risikos dazu, das mit einem Markteintritt verbunden ist.
4. Rechtliche Vorgaben prüfen
Bevor der Businessplan finalisiert wird, müssen die rechtlichen Rahmenbedingungen beachtet werden. Dazu gehören: Unternehmensform, mögliche Genehmigungen, Gewerbeberechtigung, steuerliche Fragen (um korrekt kalkulieren zu können), sowie die Verfügbarkeit und Rechtmäßigkeit des eigenen Firmennamens.
5. Abschlusskontrolle
Sind alle wichtigen Punkte im Businessplan formuliert, dürfte dieser ohne Probleme 20, 30 oder sogar noch mehr Seiten umfassen. Wichtig ist es nun, diese Seiten bzw. den gesamten Businessplan noch einmal genau zu kontrollieren. Nichts wäre unangenehmer, als vom Kreditgeber auf einen Fehler in der Kalkulation hingewiesen zu werden. Auch Rechtschreibung und Grammatik sollten geprüft werden, da derartige Fehler keinen guten Eindruck hinterlassen.
Der Finanzteil: die drei Rechnungen, die zählen
Der Finanzplan besteht nicht aus einer Tabelle, sondern aus drei, die aufeinander aufbauen. Fehlt eine davon, gilt der Plan in der Bank als unvollständig.
| Rechnung | Zeitraum | Was sie beantwortet |
|---|---|---|
| Kapitalbedarfsplan | Gründungsphase | Wie viel Geld wird insgesamt gebraucht - Investitionen, Warenlager, Gründungskosten und Betriebsmittel für die ersten Monate |
| Rentabilitätsvorschau | drei Jahre | Bleibt am Ende ein Gewinn, und reicht er zum Leben |
| Liquiditätsplan | zwölf Monate, monatlich | Ist in jedem einzelnen Monat genug Geld am Konto |
Zwei Punkte werden dabei am häufigsten übersehen:
- Die Privatentnahme fehlt. Wer als Einzelunternehmer plant, muss vom Gewinn leben. In die Rentabilitätsvorschau gehören daher Lebenshaltungskosten, SVS-Beiträge und Einkommensteuer, sonst rechnet der Plan mit einem Unternehmer, der nichts zum Leben braucht.
- Der Unterschied zwischen Gewinn und Liquidität. Ein Betrieb kann profitabel sein und trotzdem zahlungsunfähig werden, wenn Kunden erst nach 60 Tagen zahlen, die Miete aber jeden Ersten fällig ist. Genau dafür ist der Liquiditätsplan da.
Für die Steuerseite der Planung gilt: Die Umsatzsteuer ist ein Durchlaufposten und gehört nicht in die Ertragsrechnung, wohl aber in den Liquiditätsplan - zwischen Vereinnahmung und Abfuhr an das Finanzamt liegen bis zu 45 Tage.
Was die Gründung selbst kostet - und was das NeuFöG erspart
In den Kapitalbedarfsplan gehören auch die Gründungskosten. Das Neugründungs-Förderungsgesetz (NeuFöG) befreit Neugründer von einer Reihe davon, unter anderem von Stempelgebühren und Bundesverwaltungsabgaben, die durch die Gründung ausgelöst werden, von Gerichtsgebühren für Eintragungen ins Firmenbuch und ins Grundbuch sowie von bestimmten lohnabhängigen Abgaben im Gründungsmonat und in den folgenden 35 Monaten.
Die Befreiung gibt es nicht automatisch: Sie setzt das amtliche Formular NeuFö 2 voraus, die Erklärung der Neugründung. Sie wird beim Gründerservice der Wirtschaftskammer oder bei der Sozialversicherung der Selbständigen ausgestellt und ist der jeweiligen Behörde gleichzeitig mit dem Antrag vorzulegen. Wer zuerst zahlt und danach fragt, bekommt in der Regel nichts zurück.
Kostenlose Tools und Unterstützung
In Österreich gibt es vier kostenlose Anlaufstellen für die Erstellung eines Businessplans:
- Plan4You: Das kostenlose, professionelle Businessplan-Tool der WKO und aws (Austria Wirtschaftsservice GmbH). Durch die Kooperation mit der aws ist Plan4You insbesondere auch zur Vorlage bei Banken und Förderstellen geeignet.
- Gründerservice der WKO: Kostenlose Workshops und Einzelberatungen zu allen Gründungsthemen.
- i2b Businessplan-Wettbewerb: Österreichs größter Businessplan-Wettbewerb mit Feedback von Experten und attraktiven Preisen.
- aws (Austria Wirtschaftsservice GmbH): Unterstützung für Unternehmen in allen Wachstumsphasen, inklusive Förderungen und Finanzierungen.
Tipp: Die Aufstellung eines ordentlichen Businessplans ist sogar ohne Investoren zu empfehlen, denn so wird die Idee strukturiert und das Konzept kann in der Zukunft immer praktisch werden.
Häufig gestellte Fragen
Wie lang sollte ein Businessplan sein?
Ein typischer Businessplan umfasst 20-40 Seiten. Die Länge hängt von der Komplexität des Vorhabens ab. Das Executive Summary sollte jedoch nie länger als 2 Seiten sein.
Brauche ich einen Businessplan, wenn ich keine Finanzierung benötige?
Ja, auch ohne externe Finanzierung ist ein Businessplan sinnvoll. Er hilft, die eigene Idee zu strukturieren, Schwachstellen zu erkennen und realistische Ziele zu setzen.
Gibt es kostenlose Tools für die Businessplan-Erstellung?
Ja, das Gründerservice der WKO und die aws bieten mit Plan4You ein kostenloses, professionelles Businessplan-Tool an, das auch zur Vorlage bei Banken geeignet ist.
Wo bekomme ich Hilfe bei der Erstellung meines Businessplans?
Das Gründerservice der WKO bietet kostenlose Workshops und Einzelberatungen. Auch die Wirtschaftsagenturen der Bundesländer und die aws unterstützen Gründer.
Stand: August 2026. Rechtsgrundlage der Gebührenbefreiung bei Neugründungen: Neugründungs-Förderungsgesetz (NeuFöG).
Quellen
wko.at - Inhalte des Businessplans
wko.at - Gebührenbefreiung nach dem NeuFöG
usp.gv.at - Neugründungs-Förderungsgesetz