Silberpreis aktuell - Kurs, Steuer und Kauf in Österreich
Zwei Anlagemünzen aus demselben Haus, zwei völlig verschiedene Steuerregeln: Auf den Silber-Philharmoniker fallen 20 Prozent Umsatzsteuer an, auf den Gold-Philharmoniker null. Ein Sechstel des Silberpreises geht damit ans Finanzamt, bevor der Metallpreis überhaupt eine Rolle spielt - und der Silberpreis muss anschließend um zwanzig Prozent steigen, ehe ein Verkauf zum Materialwert die Kosten deckt. Das ist der eine Unterschied, der beim Silberkauf in Österreich wirklich zählt.
| Umsatzsteuer beim Kauf | 20 % auf Silbermünzen und Silberbarren, Anlagegold ist befreit |
| Beim Verkauf | Nach einem Jahr Behaltedauer steuerfrei (§ 31 EStG), Freigrenze 440 € pro Jahr |
| Silber-ETC | 27,5 % Kapitalertragsteuer, unabhängig von der Haltedauer |
| Feinunze | 31,1034768 Gramm, unabhängig vom Edelmetall |
| Anlagequalität | Feingehalt 999, also Feinsilber |
| Handelswährung | US-Dollar, damit wirkt der Wechselkurs auf den Euro-Preis |
Was Silber in Österreich steuerlich kostet
Die Umsatzsteuerbefreiung des § 6 Abs. 1 Z 8 lit. j UStG gilt ausdrücklich nur für Anlagegold - für Barren ab 995 Tausendstel Feingehalt und für Goldmünzen, die nach 1800 geprägt wurden, gesetzliches Zahlungsmittel sind oder waren und höchstens 80 Prozent über ihrem Goldwert verkauft werden. Für Silber gibt es keine Parallelvorschrift. Silbermünzen und Silberbarren unterliegen damit dem Normalsteuersatz von 20 Prozent, auch wenn es sich um gesetzliche Zahlungsmittel wie den Philharmoniker handelt.
Zwei Sonderfälle mildern das ab, sind aber nicht beliebig anwendbar:
- Differenzbesteuerung. Händler, die Silber von Privatpersonen ankaufen, dürfen die Steuer nur auf ihre Handelsspanne rechnen statt auf den vollen Preis. Der Kunde sieht dann keinen ausgewiesenen Steuerbetrag auf der Rechnung - und kann als Unternehmer auch keine Vorsteuer ziehen. Für Privatanleger ist das dennoch der günstigere Weg, weil der Aufschlag kleiner ausfällt.
- Sammlungsstücke. Münzen mit erheblichem kulturellem Wert fallen in eine eigene Kategorie; bei der Einfuhr gilt für sie der ermäßigte Satz von 13 Prozent. Anlagemünzen sind das in der Regel nicht - der Sammlerwert eines Standard-Philharmonikers ist gering.
Was das in Zahlen bedeutet, zeigt der Vergleich beider Metalle zum selben Stichtag:
| Silber, 1 Unze | Gold, 1 Unze | |
|---|---|---|
| Materialwert | 56,76 € | 3.784,55 € |
| Umsatzsteuer beim Kauf | 20 % = 11,35 € | keine (§ 6 Abs. 1 Z 8 lit. j UStG) |
| Einstand ohne Aufgeld | 68,11 € | 3.784,55 € |
| nötiger Preisanstieg bis zur Nulllinie | 20 % | 0 % |
Materialwerte zum LBMA-Fixing vom 8.9.2026. Das Aufgeld des Händlers kommt bei beiden Metallen dazu.
Silber startet also mit einem Rückstand von rund einem Sechstel des Kaufpreises. Weil sich der Anstieg auf den niedrigeren Materialwert bezieht, muss der Silberpreis um zwanzig Prozent zulegen, damit ein Käufer beim Verkauf zum reinen Metallwert bei null ist - die Händlerspanne ist dabei noch gar nicht eingerechnet. Bei Gold entfällt dieser Startnachteil vollständig, Details dazu unter Gold kaufen.
Der Verlauf seit 1999
Silber bewegt sich in weit größeren Ausschlägen als Gold. Auf die Spitze von 2011 folgte ein Absturz, der den Preis binnen vier Jahren mehr als halbierte; erst ab 2020 ging es wieder deutlich nach oben. Wer die Reihe über die Jahre verfolgt, sieht kein stetiges Wachstum, sondern lange Ruhephasen, unterbrochen von heftigen Bewegungen in beide Richtungen.
| Zeitpunkt | Preis je Unze | Veränderung bis heute |
|---|---|---|
| vor einem Monat (7.8.2026) | 55,80 € | +1,7 % |
| vor einem Jahr (8.9.2025) | 35,13 € | +61,6 % |
| vor fünf Jahren (8.9.2021) | 20,58 € | +175,8 % |
| vor zehn Jahren (8.9.2016) | 17,65 € | +221,6 % |
| heute (8.9.2026) | 56,76 € | - |
| Höchststand der Reihe | 99,15 € | am 29.1.2026 |
Für die Umrechnung auf gängige Mengen:
| Menge | Materialwert in Euro |
|---|---|
| 1 Feinunze (31,1035 g) | 56,76 € |
| 1 Gramm | 1,82 € |
| 10 Gramm | 18,20 € |
| 100 Gramm | 182,00 € |
| 1 Kilogramm | 1.825,00 € |
Reiner Materialwert von Silber zum LBMA-Fixing vom 8.9.2026. Händler verlangen darüber hinaus ein Aufgeld.
Beim Verkauf: die Einjahresfrist
Wer physisches Silber im Privatvermögen länger als ein Jahr hält, verkauft den Gewinn steuerfrei. Innerhalb eines Jahres liegt ein Spekulationsgeschäft nach § 31 EStG vor; der Gewinn wird dann mit dem persönlichen Einkommensteuertarif von bis zu 55 Prozent erfasst. Bleiben alle Spekulationsgewinne eines Kalenderjahres zusammen unter 440 Euro, sind sie steuerfrei - das ist eine Freigrenze, keine Freibetrag: Wird sie überschritten, ist der gesamte Gewinn steuerpflichtig.
Verluste aus Spekulationsgeschäften lassen sich nur mit Spekulationsgewinnen desselben Jahres gegenrechnen, nicht mit anderen Einkünften und nicht mit Vor- oder Folgejahren.
Silber-ETC und Silberaktien: hier greift die KESt
Wer Silber über die Börse abbildet, verlässt das Regime des § 31 EStG. Silber-ETCs sind depotfähige Zertifikate und damit sonstige derivative Finanzinstrumente: Auf ihre Gewinne fallen 27,5 Prozent Kapitalertragsteuer an, unabhängig von der Haltedauer. Dieselben 27,5 Prozent gelten für Aktien von Silberproduzenten und für Fonds.
Damit steht die Rechnung anders herum als beim Kauf: Physisches Silber kostet 20 Prozent Umsatzsteuer beim Einstieg und ist nach einem Jahr steuerfrei; das Wertpapier kostet beim Einstieg keine Umsatzsteuer, dafür 27,5 Prozent auf jeden Gewinn. Bei kurzer Haltedauer gewinnt das Papier, bei langer das Metall. Wie sich Kapitalertragsteuer und Freigrenzen im Detail auswirken, steht unter Kapitalertragsteuer.
Bei ETCs kommt ein Punkt dazu, den der Begriff „ETF“ verdeckt: Es handelt sich um Schuldverschreibungen, nicht um Sondervermögen. Geht der Emittent insolvent, hängt die Rückzahlung an der Besicherung des Papiers - anders als bei einem ETF, dessen Vermögen im Insolvenzfall geschützt ist.
Warum Silber stärker schwankt als Gold
Silber wird oft als „kleiner Bruder“ des Goldes beschrieben. Für die Preisbildung ist das irreführend, weil zwei Nachfragearten aufeinandertreffen:
- Industrienachfrage. Ein großer Teil des geförderten Silbers geht in Photovoltaik, Elektronik, Medizintechnik und Löttechnik. Silber reagiert deshalb auf Konjunktur, Gold kaum.
- Anlagenachfrage. In Krisen läuft Silber wie Gold als Fluchtwährung - beides zusammen ergibt einen Preis, der auf zwei völlig unterschiedliche Signale reagiert.
- Kleiner Markt. Der gesamte Silbermarkt ist gemessen am Wert ein Bruchteil des Goldmarkts. Dieselbe absolute Kapitalbewegung verschiebt den Preis daher stärker.
- Dollarkurs. Gehandelt wird in US-Dollar. Für einen Käufer im Euroraum verändert sich der Preis auch dann, wenn sich in Dollar gar nichts tut.
Aus der Relation der beiden Metalle leitet sich das Gold-Silber-Verhältnis ab: der Goldpreis geteilt durch den Silberpreis, beide zum Marktpreis je Feinunze. Am 8.9.2026 lag es bei 66,7. Historisch schwankte er stark - in den Neunzigerjahren lag er zeitweise unter 50, in Krisenphasen über 100. Ein hoher Wert heißt, dass Silber im Verhältnis zu Gold billig ist, und wird von Anlegern als Einstiegssignal gelesen. Als Prognose taugt er nicht, dafür ist die Spanne zu breit.
Wichtig für den Vergleich: Das Verhältnis wird immer aus den Marktpreisen gebildet, nicht aus Münzpreisen. Wer stattdessen die Ladenpreise gegeneinander rechnet, erhält einen deutlich niedrigeren Wert, weil im Silberpreis die Umsatzsteuer und ein höheres Aufgeld stecken - beides sagt nichts über das Verhältnis der beiden Metalle aus.
Feinunze, Feingehalt, Stückelung
Drei technische Punkte entscheiden darüber, ob ein Stück Silber überhaupt als Anlage taugt:
- Die Feinunze wiegt 31,1034768 Gramm, bei jedem Edelmetall gleich. Preisangaben je Unze sind daher direkt vergleichbar.
- Der Feingehalt soll 999 betragen, also Feinsilber. Legierungen wie 833er Silber - verbreitet bei Besteck und alten Münzen - enthalten nur 83,3 Prozent Silber; das Feingewicht bezieht sich stets auf diesen Anteil, nicht auf das Gesamtgewicht.
- Die Stückelung bestimmt die Verkäuflichkeit. Ein Kilobarren muss im Notfall am Stück verkauft werden, mehrere Unzenmünzen lassen sich in Teilen abgeben. Der Aufschlag je Unze ist bei kleinen Einheiten höher - dieselbe Rechnung wie beim Gold-Philharmoniker.
Woher die Zahlen kommen: Marktpreise, Umrechnungen und Verlauf stammen aus dem LBMA-Fixing in London und werden täglich nachgezogen. Es sind Materialwerte ohne Umsatzsteuer und ohne Aufgeld - was ein Händler verlangt, liegt darüber. Rechtsgrundlagen: § 6 Abs. 1 Z 8 lit. j UStG, § 31 EStG.
Häufige Fragen
Ist Silber in Österreich umsatzsteuerfrei?
Nein. Die Befreiung des § 6 Abs. 1 Z 8 lit. j UStG gilt nur für Anlagegold. Auf Silbermünzen und Silberbarren fallen 20 Prozent Umsatzsteuer an. Bei differenzbesteuerter Ware rechnet der Händler die Steuer nur auf seine Handelsspanne.
Muss ich den Gewinn aus dem Silberverkauf versteuern?
Nur innerhalb eines Jahres nach dem Kauf. Danach ist der Gewinn bei physischem Silber im Privatvermögen steuerfrei. Innerhalb der Frist gilt der persönliche Einkommensteuertarif, mit einer Freigrenze von 440 Euro für alle Spekulationsgewinne eines Jahres zusammen.
Was kostet eine Unze Silber?
Am 8.9.2026 waren es 56,76 € je Feinunze an reinem Metallwert. Beim Kauf einer Anlagemünze kommen 20 Prozent Umsatzsteuer und das Aufgeld des Händlers dazu, zusammen also spürbar mehr als der reine Metallwert.
Silberbarren oder Silbermünzen?
Bei einem Feingehalt von 999 entscheidet allein das Gewicht über den Metallwert. Münzen sind in kleineren Einheiten leichter teilweise zu verkaufen, Barren haben je Unze meist den geringeren Aufschlag. Ein zusätzlicher Sammlerwert entsteht nur bei Sammler-, nicht bei Anlagemünzen.
Was ist das Gold-Silber-Verhältnis?
Der Goldpreis geteilt durch den Silberpreis, beide je Feinunze und zum Marktpreis. Ein hoher Wert bedeutet, dass Silber im Verhältnis zu Gold billig ist. Am 8.9.2026 lag es bei 66,7.
Warum schwankt der Silberpreis stärker als der Goldpreis?
Weil ein großer Teil der Nachfrage aus der Industrie kommt - Photovoltaik, Elektronik, Medizintechnik - und damit an der Konjunktur hängt. Dazu ist der Silbermarkt gemessen am Wert deutlich kleiner als der Goldmarkt, weshalb dieselbe Kapitalbewegung den Preis stärker bewegt.
Lohnt sich ein Silber-ETC statt physischem Silber?
Beim Einstieg entfällt die Umsatzsteuer, dafür fallen auf den Gewinn 27,5 Prozent Kapitalertragsteuer an, unabhängig von der Haltedauer. Bei kurzer Anlagedauer ist das Papier günstiger, bei langer das Metall, weil dessen Gewinn nach einem Jahr steuerfrei ist. ETCs sind außerdem Schuldverschreibungen und tragen ein Emittentenrisiko.
Quellen
LBMA - Edelmetallpreise, tagesaktuelle Feststellungen für Gold und Silber
Münze Österreich - Spotpreisliste für Konsumenten (PDF, laufend aktualisiert)
RIS - § 6 UStG: Steuerbefreiung für Anlagegold
RIS - § 31 EStG: Spekulationsgeschäfte und Freigrenze
wko.at - Umsatzsteuer beim Verkauf von Münzen