Studium ohne Matura in Österreich

In Österreich ist die erfolgreiche Matura grundsätzlich gleichbedeutend mit der Zulassung zu einem Hochschulstudium, etwa an Universitäten und Fachhochschulen. Darüber hinaus können auch Studiengänge ohne Reifeprüfung belegt werden, wenn diverse Voraussetzungen gegeben sind. Durch das Ablegen einer Berufsreifeprüfung oder einer Studienberechtigungsprüfung wird der Zugang zum Studium ermöglicht; auch Zusatzqualifikationsprüfungen stellen einen möglichen Weg dar, um studieren zu können. Zudem bietet der österreichische Staat seit einigen Jahren jungen Menschen eine „Lehre mit Matura“ in Aussicht.

Studieren über Umwege

Nicht jeder junge Mensch kann im Alter von 10 oder 14 Jahren mit Gewissheit sagen, dass er später ein Studium belegen möchte. Viele sehen ihre Zukunft in einem Lehrberuf und entscheiden sich daher für diesen Ausbildungsweg.

Wer sich nun zu einem späteren Zeitpunkt für einen akademischen Titel wie den Bachelor oder Master interessiert, für Forschung und eine universitäre, international anerkannte Ausbildung, hat verschiedene Möglichkeiten, dies auch ohne Maturaabschluss zu realisieren.

Studieren ohne Matura

Wie bereits eingangs erwähnt können Studienberechtigungen über zwei verschiedene Wege auch ohne Maturaabschluss erlangt werden. Folgende Alternativen werden angeboten:

  • Studienberechtigungsprüfung
  • Berufsreifeprüfung

Die Studienberechtigungsprüfung (SBP)

Die SBP ist einer Reifeprüfung nicht ebenbürtig und berechtigt lediglich zum Studium einer ganz bestimmten Studienrichtung. Dementsprechend wird auch die Prüfung bzw. der Prüfungsinhalt gestaltet und aufgebaut. Daher sollten sich angehende Studierende hier darüber im Klaren sein, dass ein späterer Studienrichtungswechsel nicht möglich ist (bzw. in nur sehr wenigen Ausnahmefällen bei ähnlichen Studieninhalten). Hierfür wird eine erneute SBP zwingend notwendig.

Um ein Aufnahmeverfahren erfolgversprechend gestalten zu können, sollten folgende Voraussetzungen erfüllt werden:

  • Universität: Österreichische oder EWR-Staatsbürgerschaft, Studienbezogene Vorbildung, Mindestalter 20 Jahre
  • Hochschule oder Kollegs: Mindestalter von 22 Jahren oder von 20 Jahren bei bestehenden, vier Jahren Berufserfahrung

Prüfung – Inhalt und Prüfungsfächer

Der Prüfungsinhalt setzt sich aus Inhalten des angestrebten Wunschstudiums zusammen und kann je nach Universität oder Fachhochschule variieren. Welche Prüfungsfächer für ein gewähltes Bachelor zum Tragen kommen, liegt autonom in der Entscheidungsgewalt der Hochschulen.

Generell müssen aber folgende fünf Prüfungen gemeistert werden, mindestens eine davon wird an jenem Campus absolviert, an welchem die jeweiligen Personen studieren wollen:

  • Ein schriftlicher Aufsatz über ein allgemeines Thema
  • Zwei oder drei Pflichtfächer aus dem gewählten Studienzweig
  • Ein oder zwei Wahlfächer aus dem gewählten Studienzweig

Vorbereitung, Kosten und Förderungen

Vorbereitungskurse können an diversen Bildungseinrichtungen belegt werden, etwa an Volkshochschulen oder am Berufsförderungsinstitut (bfi), außerdem bieten auch einige Hochschulen diese Lehrgänge an. Diese Kurse sind allerdings nicht verpflichtend, die geforderten Inhalte können auch in Form eines Selbststudiums erlernt werden.

Für die Prüfung fällt eine Prüfungsgebühr an, auch die Kurse sind in der Regel kostenpflichtig. Hier sollte mit durchschnittlich 1000 Euro für alle Prüfungsfächer kalkuliert werden. Bereits in der Vorbereitungszeit kann eine Studienbeihilfe (für maximal 1 Jahre) oder ein Selbsterhaltungsstipendium bezogen werden.

Der zeitliche Aufwand für diese Zulassungsvariante liegt in etwa bei 2 – 3 Semestern.

Berufsreifeprüfung in Österreich

Die Berufsreifeprüfung entspricht einer vollwertigen Matura und ist aufwendiger als die SBP. Nach Abschluss kann jedes Studium belegt werden, auch Studienwechsel sind möglich. Für die Zulassung ist zumindest einer der folgenden Punkte zu erfüllen:

  • Lehrabschluss
  • Land- und forstwirtschaftliche Facharbeiterprüfung oder Meisterprüfung
  • Abschluss berufsbildende mittlere Schule (3 Jahre)
  • Abschluss 3. Klasse berufsbildende höhere Schule +3 Jahre Berufserfahrung
  • Abschluss Ausbildung nach Gesundheits- und Krankenpflegegesetz (3 Jahre) oder Abschluss medizinischer Fachdienst / Sanitätshilfsdienst (30 Monate)
  • Beamte je nach Verwendungsgruppe
  • Abschluss Hauptstudiengangs Konservatorium
  • Schulabbrecher mit 3 Jahren Berufserfahrung

Für die Zulassung sind zusätzlich folgende Unterlagen erforderlich:

  • Nachweis der persönlichen Qualifikation (Lehrabschluss usw.)
  • Geburtsurkunde
  • Nachweise zum Erlass von Teilprüfungen

Prüfung zur Berufsreife – Deutsch, Englisch, Mathematik

Die Prüfungen erfolgen üblicherweise in jenen Bildungseinrichtungen, an welchen auch die Vorbereitungskurse absolviert wurden. Wird auf diese Kurse verzichtet, werden alle Teilprüfungen an einer höheren Schule abgelegt, in jedem Fall muss eine Prüfung am Campus einer Hochschule vor einer Externistenprüfungskommission bestanden werden.

Folgende 4 Teilprüfungen sind für die Berufsreife erforderlich:

  • Deutsch: 5 Stunden schriftlich + mündliche Prüfung
  • Lebende Fremdsprache: 5 Stunden schriftlich oder eine mündliche Prüfung
  • Mathematik: 5 Stunden schriftliche Prüfung
  • Fachbereich Beruf: 5 Stunden schriftlich + mündliche Prüfung (Prüfungsgegenstand: Wissen aus erlerntem Beruf oder berufsbezogene Projektarbeit)

Vorbereitung, Kosten und Förderungen

Die Vorbereitungskurse sind nicht verpflichtend, aber absolut empfohlen. Um zumindest drei Teilprüfungen an einem Bildungsinstitut absolvieren zu können, sind diese notwendig. In Frage kommen hierfür das WIFI, das bfi oder Volkshochschulen.

Auch hier variieren die Kosten von Einrichtung zu Einrichtung, im Schnitt werden aber 3000 € fällig. Die Berufsreifprüfung wird in allen Bundesländern Österreichs gefördert (z.B. Arbeiterkammer); so auch von der Arbeiterkammer Wien und dem Förderungsfonds für ArbeitnehmerInnen in Wien, sowie von diversen Landeseinrichtungen (Bildung).

Die Vorbereitungszeit inklusive Prüfungszeit nimmt in etwa 4 – 5 Semester in Anspruch. Gutes Zeit-Management ist erforderlich, der Abschluss wird auch international im Ausland anerkannt.

Zusatzqualifikationsprüfungen

Neben den beiden Berechtigungsprüfungen können auch, je nach Studien, je nach Hochschule und je nach sonstiger Qualifikation (Lehrabschluss, BMS-Abschluss usw.) verschiedene Zusatzprüfungen abgelegt werden. Hierfür bieten viele Hochschulen entsprechende Kurse an, teilweise auch kostenlos. Der Zeitaufwand liegt meist bei 2 Semestern.

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