Geldanlage

Bundesschatz in Österreich - Zinsen, Steuer und vorzeitige Auszahlung

Aktualisiert am 8. September 2026·Redaktion finfo.at
Bundesschatz - das Wichtigste auf einen Blick
EmittentRepublik Österreich, verwaltet von der Bundesfinanzierungsagentur
Laufzeiten1 Monat, 12 Monate, 10 Jahre; grün 6 Monate und 4 Jahre
Mindestanlage100 Euro, keine Obergrenze
Verzinsungfix, festgelegt zum Tag des Geldeingangs
Kostenkeine - gebühren-, kosten- und spesenfrei
Steuer27,5 % Kapitalertragsteuer, nicht 25 % wie beim Sparbuch
Vorzeitige Auszahlungmöglich, das Kapital bleibt zur Gänze erhalten
Zugangnur direkt über bundesschatz.at, mit ID Austria oder per Post

Auf Zinsen aus dem Bundesschatz fallen 27,5 Prozent Kapitalertragsteuer an, auf Sparbuchzinsen nur 25. Bei gleichem Bruttozins bleibt vom Bundesschatz also weniger übrig - aus 2,10 % brutto werden 1,52 % statt 1,58 % netto. Dafür gibt es zwei Dinge, die keine Bank bieten kann: eine Absicherung ohne Deckungsgrenze und eine vorzeitige Auszahlung, bei der das eingesetzte Kapital vollständig erhalten bleibt.

Was der Bundesschatz ist

Der Bundesschatz ist kein Sparkonto, sondern ein Wertpapier der Republik Österreich. Wer anlegt, leiht dem Staat Geld und bekommt dafür Zinsen - dieselbe Konstruktion wie bei einer Bundesanleihe, nur ohne Börse, ohne Bank und ohne Kurs. Ausgegeben und verwaltet wird er von der Österreichischen Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA), die im Auftrag des Bundes die Staatsschuld verwaltet.

Zu beziehen ist er ausschließlich direkt über die Website der Bundesfinanzierungsagentur. Kein Broker, keine Bank und kein Vermittler führt ihn im Sortiment, und ein Depot braucht es dafür nicht.

Der entscheidende Unterschied zur handelbaren Bundesanleihe steht bei der Rückgabe:

BundesschatzBundesanleihe
Handelkein Börsenhandel, kein Kursan der Wiener Börse notiert
Rückgabe vor FälligkeitKapital bleibt zur Gänze erhalten, nur ein Teil der Zinsen entfälltzum Tageskurs - ein Kapitalverlust ist möglich
SpesenkeineKauf- und Verkaufsprovision, jährliche Depotgebühr
Mindestbetrag100 Euroje nach Stückelung deutlich höher

Was eine Anleihe grundsätzlich ausmacht - Kupon, Kurs, Rendite und die Wirkung von Zinsänderungen - steht bei den Anleihen.

Die fünf Laufzeiten

Zur Auswahl stehen drei klassische und zwei grüne Varianten:

ProduktLaufzeitZinsberechnung
Bundesschatz 1 Monat1 Monateinfache Verzinsung
Bundesschatz 12 Monate12 Monateeinfache Verzinsung
Bundesschatz 10 Jahre10 JahreZinseszins
Bundesschatz 6 Monate Grün6 Monateeinfache Verzinsung
Bundesschatz 4 Jahre Grün4 JahreZinseszins

Bei Laufzeiten bis zu einem Jahr wird einfach verzinst, darüber mit Zinseszins. Die Zinsgutschrift erfolgt jeweils am Ende der gewählten Laufzeit, nicht jährlich.

Danach wird automatisch wiederveranlagt: Kapital plus Zinsen abzüglich Kapitalertragsteuer laufen in dieselbe Laufzeit weiter, sofern keine Auszahlung gewünscht ist. Eine Begrenzung, wie oft das geschehen darf, gibt es nicht. Der Zinssatz der Folgeperiode ist dann allerdings der zum Zeitpunkt der Wiederveranlagung gültige, nicht mehr der ursprüngliche.

Wie die Verzinsung zustande kommt

Die Zinssätze werden täglich neu festgelegt und folgen der Marktlage. Maßgeblich ist der Tag, an dem das Geld eingeht: Der dann gültige Satz gilt fix für die gesamte gewählte Laufzeit und ändert sich danach nicht mehr, gleich wie sich die Zinsen weiterentwickeln.

Genau deshalb steht in keinem Ratgeber und keiner Vergleichsliste ein belastbarer Bundesschatz-Zinssatz: Jede genannte Zahl ist am nächsten Tag überholt. Wer den aktuellen Satz wissen will, findet ihn auf der Website der Bundesfinanzierungsagentur, wo er zusammen mit dem Datum des Geldeingangs ausgewiesen wird.

Woran sich das Niveau einordnen lässt: Der Bundesschatz refinanziert dieselbe Schuldnerin wie die österreichischen Bundesanleihen. Sein Satz bewegt sich daher in der Nähe der Renditen, die der Bund am Kapitalmarkt für vergleichbare Laufzeiten zahlt - kurze Laufzeiten am kurzen Ende, der Zehnjährige nahe der zehnjährigen Bundesanleihe. Ein Vergleich mit dem Sparbuch lohnt sich trotzdem: Bankzinsen folgen der Einlagenpolitik des Instituts, nicht der Staatsschuld, und können darüber wie darunter liegen.

27,5 statt 25 Prozent - der Punkt, den die Werbung auslässt

Zinsen aus Spareinlagen unterliegen 25 Prozent Kapitalertragsteuer (§ 27a Abs. 1 Z 1 EStG). Der Bundesschatz ist ein Wertpapier, für ihn gilt der allgemeine Satz von 27,5 Prozent (§ 27a Abs. 1 Z 2 EStG). Die Bundesfinanzierungsagentur behält die Steuer automatisch ein und führt sie ab; damit ist sie abgegolten.

Was das ausmacht, gerechnet mit dem Durchschnitt für neu gebundene Spareinlagen bis zu einem Jahr als Bruttozins:

Bei 10.000 Euro, ein Jahr, 2,10 % bruttoSparbuchBundesschatz
Zinsen brutto210,00 €210,00 €
Kapitalertragsteuer25 % = 52,50 €27,5 % = 57,75 €
Zinsen netto157,50 €152,25 €
Nettoverzinsung1,58 %1,52 %

Als Bruttozins ist der Durchschnitt für neu gebundene Spareinlagen bis ein Jahr im Juli 2026 angesetzt (EZB-Zinssatzstatistik), für beide Spalten gleich - der Unterschied in der Tabelle kommt allein aus dem Steuersatz.

Der Bundesschatz muss also rund 3,4 Prozent mehr Bruttozins bieten, um netto gleichzuziehen - beim derzeitigen Zinsniveau von 2,10 % sind das etwa 0,07 Prozentpunkte. Wer zwei Angebote vergleicht, darf die Bruttosätze deshalb nicht direkt nebeneinanderstellen. Die Systematik der beiden Steuersätze steht bei der Kapitalertragsteuer.

Ein Vorteil bleibt der Wertpapiereigenschaft vorbehalten: Verluste aus anderen Kapitalanlagen lassen sich nach § 27 Abs. 8 EStG mit den Bundesschatz-Zinsen gegenrechnen - über die Beilage E1kv zur Einkommensteuererklärung. Bei Sparbuchzinsen ist das ausgeschlossen.

Vorzeitige Auszahlung: das Kapital bleibt ganz

Eine Auszahlung vor dem Laufzeitende ist jederzeit möglich, und sie kostet keinen Cent vom eingesetzten Betrag. Abgezogen wird nur ein Teil der bis dahin angefallenen Zinsen als Ausgleich für die Liquiditätskosten.

Der Unterschied zu den üblichen Alternativen ist groß:

  • Sparbuch mit Bindung: Vorschusszinsen von einem Promille je vollem Monat der nicht eingehaltenen Bindung, höchstens die bisherigen Habenzinsen (§ 32 Abs. 8 BWG).
  • Festgeld: eine vorzeitige Verfügung ist oft gar nicht vorgesehen; das Geld ist bis zum Ende gebunden.
  • Bundesanleihe im Depot: Verkauf jederzeit möglich, aber zum Tageskurs - bei gestiegenen Marktzinsen mit Kursverlust.
  • Bundesschatz: volles Kapital zurück, nur weniger Zinsen.

Das macht auch die zehnjährige Variante beherrschbar. Wer sich beim Sparbuch zehn Jahre bindet, geht ein Zinsänderungsrisiko ein, das er nur mit Verlust auflösen kann; beim Bundesschatz ist der schlimmste Fall ein Jahrzehnt ohne nennenswerten Ertrag - aber ohne Substanzverlust.

Sicherheit ohne Deckungsgrenze

Die Einlagensicherung schützt Guthaben bei einer Bank bis 100.000 Euro je Einleger und Institut. Wer mehr sicherheitsorientiert anlegen will, muss auf mehrere Banken aufteilen. Beim Bundesschatz entfällt das: Es gibt keine betragliche Deckungsgrenze, weil es keine Sicherungseinrichtung gibt - es haftet die Republik selbst.

Was das im Vergleich wert ist, zeigt sich erst bei größeren Beträgen. Bei 300.000 Euro und demselben Bruttozins:

300.000 Euro, ein JahrSparbuch bei einer BankBundesschatz
Zinsen netto4.725,00 €4.567,50 €
Abgesichert100.000 €300.000 €
Ohne Absicherung200.000 €0 €

157,50 € weniger Zinsertrag im Jahr - dafür sind 200.000 Euro nicht mehr vom Fortbestand eines einzelnen Instituts abhängig. Wer die Summe stattdessen auf drei Banken verteilt, führt drei Konten und drei Zinssätze.

Ein Detail, das selten erwähnt wird: Die Republik verzichtet bei der Zahlung von Kapital und Zinsen ausdrücklich auf das Recht, mit eigenen Forderungen aufzurechnen. Eine offene Steuerschuld wird also nicht gegen den Bundesschatz gegengerechnet.

Was der Bundesschatz nicht abwehrt, ist die Inflation. Bei 2,8 % Teuerung im Juli 2026 und einer Nettoverzinsung um 1,52 % verliert das Ersparte real 1,2 % im Jahr. Genau wie auf dem Sparbuch bezieht sich die Sicherheit auf den Nennbetrag, nicht auf die Kaufkraft.

Wer ein Konto eröffnen darf

Zugelassen sind nur natürliche Personen und öffentliche Einheiten. Unternehmen im eigenen Namen - eine GmbH etwa - können kein Bundesschatz-Konto eröffnen. Für Einzelunternehmer und Freiberufler gilt das nicht: Sie sind natürliche Personen und können den Bundesschatz auch betrieblich widmen.

Für die digitale Eröffnung braucht es Volljährigkeit, einen Wohnsitz in der EU und eine ID Austria mit Vollfunktion. Ohne ID Austria geht es per Post: Formular ausfüllen, mit Ausweiskopie einsenden, die Kontonummer kommt eingeschrieben zurück.

Für Minderjährige und für vertretene Erwachsene können die gesetzlichen Vertreter anlegen. Der Bundesschatz gilt als mündelsichere Veranlagung - eine der wenigen Anlageformen, die für Mündelgeld ohne gerichtliche Einzelgenehmigung in Frage kommt.

Stirbt der Kontoinhaber, wird das Konto bis zum Abschluss der Verlassenschaft gesperrt. Das Kapital bleibt veranlagt und verzinst sich weiter. Danach können die Erben die Fälligkeit abwarten, vorzeitig auszahlen lassen oder den Bestand auf ein eigenes Bundesschatz-Konto übertragen.

Für Selbstständige: der Gewinnfreibetrag endet mit 2026

Bundesschätze sind Wertpapiere im Sinn des § 14 Abs. 7 Z 4 lit. b EStG. Damit taugen sie zur Deckung von Pensionsrückstellungen - und zur Ausschöpfung des investitionsbedingten Gewinnfreibetrags nach § 10 EStG. Wer als Einzelunternehmer oder Freiberufler einen hohen Gewinn hat und nichts anschaffen will, kann ihn also in Bundesschätze legen, muss sie vier Jahre dem Betriebsvermögen widmen und im Verzeichnis nach § 10 Abs. 7 EStG ausweisen.

Das gilt letztmalig für 2026. Das Budgetbegleitgesetz 2027-2028 (BGBl. I Nr. 62/2026) hat die Wertpapier-Variante befristet gestrichen: Nach § 124b Z 496 EStG ist sie letztmalig für Wirtschaftsjahre anzuwenden, die vor dem 1. Jänner 2027 beginnen, und kehrt erst für Wirtschaftsjahre zurück, die nach dem 31. Dezember 2029 beginnen. Für 2027, 2028 und 2029 bleibt nur die Sachinvestition.

Wer diesen Weg noch nutzen will, hat bis 31. Dezember 2026 Zeit. Der Höchstbetrag des Gewinnfreibetrags liegt bei 46.400 Euro im Jahr, davon 4.950 Euro als Grundfreibetrag ohne jede Investition. Staffel, Bedingungen und die Folgen einer vorzeitigen Veräußerung stehen beim Gewinnfreibetrag.

Die grünen Bundesschätze

Zwei der fünf Produkte sind grün: 6 Monate und 4 Jahre. Die Mittel daraus fließen ausschließlich in Projekte mit ökologischem oder klimarelevantem Nutzen - Ausbau des Schienennetzes, Ladeinfrastruktur für Elektromobilität, erneuerbare Energie, intelligente Stromnetze, Biodiversität, Luftreinhaltung und Wasserwirtschaft.

Rechtlich ändert das nichts: Schuldnerin ist dieselbe Republik, das Ausfallrisiko ist identisch, und die Rückzahlung hängt nicht vom Erfolg der finanzierten Projekte ab. Der Unterschied liegt in der Mittelverwendung und in der Berichterstattung darüber, nicht in der Sicherheit. Ob der grüne Satz über oder unter dem klassischen liegt, ist eine Tagesfrage - bei grünen Staatsanleihen ist eine geringfügig niedrigere Verzinsung als bei vergleichbaren klassischen Papieren üblich.

Bundesschatz, Sparbuch, Festgeld oder Anleihe

BundesschatzSparbuchFestgeldBundesanleihe
SchuldnerRepublik ÖsterreichBankBankRepublik Österreich
Absicherungohne Betragsgrenze100.000 € je Institut100.000 € je Institutohne Betragsgrenze
Steuersatz27,5 %25 %25 %27,5 %
Kursrisikokeineskeineskeinesja
Vorzeitig verfügbarja, Kapital voll erhaltengegen Vorschusszinsenmeist nichtja, zum Tageskurs
Kostenkeinemeist keinemeist keineSpesen und Depotgebühr
Mindestbetrag100 €geringoft 1.000 bis 5.000 €je nach Stückelung

Daraus lässt sich eine brauchbare Faustregel ableiten. Für den jederzeit verfügbaren Notgroschen bleibt das Tagesgeld die erste Wahl, weil dort keine Zinsen verfallen. Für planbares Geld mit Anlagehorizont ist der Bundesschatz vor allem dann stark, wenn die Summe über der Einlagensicherung liegt oder die Verfügbarkeit wichtig bleibt. Und wer ohnehin ein Depot führt und mit Kursen umgehen kann, findet bei Bundesanleihen zusätzlich die Chance auf Kursgewinne - samt dem entsprechenden Risiko.

Häufige Fragen zum Bundesschatz

Wie hoch sind die Zinsen beim Bundesschatz?

Die Sätze werden täglich neu festgelegt und richten sich nach der Marktlage. Maßgeblich ist der Tag des Geldeingangs; der dann gültige Satz bleibt für die gesamte Laufzeit fix. Eine dauerhaft gültige Zahl gibt es deshalb nicht - der tagesaktuelle Satz steht auf der Website der Bundesfinanzierungsagentur.

Wie wird der Bundesschatz besteuert?

Mit 27,5 Prozent Kapitalertragsteuer, weil es sich um Wertpapiere handelt (§ 27a Abs. 1 Z 2 EStG). Sparbuchzinsen sind mit 25 Prozent günstiger besteuert. Die Steuer wird automatisch einbehalten und abgeführt.

Komme ich vor Laufzeitende an mein Geld?

Ja. Das eingesetzte Kapital bleibt dabei zur Gänze erhalten, abgezogen wird nur ein Teil der bis dahin angefallenen Zinsen. Einen Kapitalverlust wie beim Verkauf einer Anleihe über die Börse gibt es nicht.

Ist der Bundesschatz sicherer als ein Sparbuch?

Für Beträge über 100.000 Euro je Institut ja, weil es keine Deckungsgrenze gibt. Darunter sind beide gesichert - beim Sparbuch über die Einlagensicherung, beim Bundesschatz über die Bonität der Republik. Gegen Inflation schützt keines von beiden.

Kann ich mehr als 100.000 Euro anlegen?

Ja, eine betragliche Obergrenze für Einzahlungen gibt es nicht.

Kann eine GmbH einen Bundesschatz zeichnen?

Nein. Ein Konto können nur natürliche Personen und öffentliche Einheiten eröffnen. Einzelunternehmer und Freiberufler sind natürliche Personen und deshalb nicht ausgeschlossen.

Taugt der Bundesschatz für den Gewinnfreibetrag?

Für Wirtschaftsjahre, die vor dem 1. Jänner 2027 beginnen, ja: Bundesschätze sind Wertpapiere nach § 14 Abs. 7 Z 4 lit. b EStG und vier Jahre dem Betriebsvermögen zu widmen. Für die Wirtschaftsjahre 2027 bis 2029 ist die Wertpapier-Variante nach § 124b Z 496 EStG ausgesetzt.

Was passiert am Ende der Laufzeit?

Ohne gegenteilige Anweisung wird automatisch wiederveranlagt - Kapital plus Zinsen abzüglich Kapitalertragsteuer, zum dann gültigen Zinssatz. Wie oft das geschieht, ist nicht begrenzt.

Brauche ich ein Depot oder eine Bankverbindung?

Ein Depot nicht. Für Ein- und Auszahlungen braucht es ein Girokonto, und für die Eröffnung eine ID Austria mit Vollfunktion oder den Postweg.

Quellen

Die Zinssätze des Bundesschatzes werden täglich neu festgelegt und sind deshalb hier bewusst nicht beziffert. Die Vergleichsrechnungen verwenden 2,10 Prozent, den Durchschnitt für neu gebundene Spareinlagen bis zu einem Jahr im Juli 2026 laut EZB-Zinssatzstatistik, und die Inflationsrate von 2,8 Prozent für Juli 2026 laut Statistik Austria.