Geldanlage

Anleihen in Österreich 2026 - Kupon, Rendite und Kursrisiko

Aktualisiert am 10. August 2026·Redaktion finfo.at

2022 verloren Anleihendepots zweistellig - in einer Anlageklasse, die als der sichere Teil des Vermögens gilt. Der Grund war kein einziger Zahlungsausfall, sondern der Zinsanstieg. Eine Anleihe ist ein Kredit, den Sie einem Staat oder einem Unternehmen geben. Dafür gibt es Zinsen - den Kupon - und am Ende der Laufzeit das eingesetzte Kapital zurück. So weit die Theorie, die auch stimmt: solange Sie bis zur Fälligkeit halten und der Schuldner zahlungsfähig bleibt.

Dazwischen bewegt sich der Kurs, und zwar gegenläufig zum Marktzins. Steigen die Zinsen, fällt der Kurs bestehender Anleihen - eine Anleihe mit 1 Prozent Kupon will niemand zum Nennwert kaufen, wenn neue Papiere 3 Prozent bringen. Wer vorzeitig verkaufen muss, realisiert diesen Verlust. Wer vorzeitig verkaufen muss, macht diesen Verlust real - wer bis zur Fälligkeit hält, nicht.

Für Privatanleger in Österreich gibt es seit einigen Jahren einen einfachen Zugang zu Staatsanleihen: den Bundesschatz der Bundesfinanzierungsagentur, ab 100 Euro und ohne Spesen.

Kupon, Kurs und Rendite - drei verschiedene Dinge

Begriff Bedeutung
Nennwert der Betrag, der am Laufzeitende zurückgezahlt wird
Kupon der fixe Zinssatz auf den Nennwert, meist jährlich ausbezahlt
Kurs der aktuelle Preis in Prozent des Nennwerts - 98 bedeutet 980 Euro für 1.000 Euro Nennwert
Rendite der tatsächliche Ertrag bis zur Fälligkeit, berechnet aus Kupon, Kaufkurs und Restlaufzeit

Ein Beispiel: Eine Anleihe mit 1 Prozent Kupon und fünf Jahren Restlaufzeit notiert bei 92 Prozent. Sie zahlen 920 Euro, bekommen fünf Jahre lang je 10 Euro Zinsen und am Ende 1.000 Euro zurück. Die Rendite liegt damit deutlich über dem Kupon - rund 2,7 Prozent pro Jahr. Umgekehrt kann eine Anleihe mit hohem Kupon über 100 notieren; dann liegt die Rendite unter dem Kupon.

Für den Vergleich zählt immer die Rendite, nie der Kupon. Und je länger die Restlaufzeit, desto stärker schlagen Zinsänderungen auf den Kurs durch.

Die Duration sagt, wie stark der Kurs reagiert

Die modifizierte Duration ist die Kennzahl dafür, und sie lässt sich wie ein Hebel lesen: Sie gibt an, um wie viel Prozent der Kurs fällt, wenn die Marktrendite um einen Prozentpunkt steigt.

Anleihe mit 3 % Kupon, Kurs 100Modifizierte DurationKurs bei einem Prozentpunkt höherer Rendite
2 Jahre Restlaufzeit1,9-1,9 %
10 Jahre Restlaufzeit8,5-8,1 %

Dieselbe Zinsbewegung kostet bei der langen Anleihe also mehr als das Vierfache. Das erklärt die Verluste des Jahres 2022 besser als jede Marktbeschreibung: Nicht der Ausfall von Schuldnern hat die Anleihendepots getroffen, sondern die Laufzeit im Depot. Wer bis zur Fälligkeit hält, bekommt trotzdem den Nennwert - nur muss man diese Jahre auch aussitzen können.

Die Näherung über die Duration wird bei großen Zinssprüngen ungenau, weil der Zusammenhang zwischen Kurs und Rendite gekrümmt ist: Im Beispiel sagt die Duration 8,5 Prozent Verlust voraus, tatsächlich sind es 8,1 Prozent. Der Fehler geht immer zugunsten des Anlegers - Kursgewinne bei fallenden Zinsen fallen etwas höher aus als die Duration verspricht, Verluste etwas geringer.

Die drei Risiken

  1. Zinsänderungsrisiko. Steigen die Marktzinsen, fallen die Kurse. Relevant nur bei Verkauf vor Fälligkeit - wer durchhält, bekommt den Nennwert.
  2. Bonitätsrisiko. Der Schuldner kann ausfallen. Bei Unternehmensanleihen ist das der wesentliche Faktor; Ratingagenturen bewerten das, aber die Bewertung ist keine Garantie.
  3. Inflationsrisiko. Ein Kupon von 3 Prozent bei 4 Prozent Inflation bedeutet real einen Verlust. Bei langen Laufzeiten ist das die stille Gefahr.

Dazu kommt bei Fremdwährungsanleihen das Währungsrisiko, das die Zinsdifferenz schnell auffrisst. Und ein Punkt, der oft übersehen wird: Nachrangige Anleihen und Genussscheine werden im Insolvenzfall erst nach allen anderen Gläubigern bedient - der höhere Kupon ist der Preis für dieses Risiko, nicht ein Geschenk.

Der Bundesschatz: dieselbe Schuldnerin, ohne Börse

Wer der Republik Geld leihen will, ohne ein Depot zu führen, kann das direkt tun. Der Bundesschatz der Bundesfinanzierungsagentur beginnt bei 100 Euro, kennt keine Obergrenze und kostet keine Spesen. Fünf Laufzeiten stehen zur Wahl, drei klassische und zwei grüne.

Zur handelbaren Bundesanleihe gibt es zwei Unterschiede, die zählen. Es gibt keinen Kurs - also weder Kursverlust noch Kursgewinn. Und bei einer Auszahlung vor dem Laufzeitende bleibt das Kapital zur Gänze erhalten; abgezogen wird nur ein Teil der Zinsen. Beim Verkauf einer Anleihe über die Börse entscheidet dagegen der Tageskurs.

Neu begebene österreichische Bundesanleihen werden ausschließlich an der Wiener Börse notiert, was den Zugang über das Wertpapierdepot erleichtert. Dort gelten die üblichen Ordergebühren und Kursspannen. Laufzeiten, Verzinsung, Steuer und der Vergleich mit Sparbuch und Festgeld stehen im Beitrag zum Bundesschatz.

Einzelanleihe oder Anleihen-ETF

Kriterium Einzelanleihe Anleihen-ETF
Rückzahlung zum Nennwert ja, am Laufzeitende nein, der Fonds hat keine Fälligkeit
Streuung ein Schuldner hunderte Schuldner
Mindestbetrag oft 1.000 Euro, bei Unternehmensanleihen häufig 100.000 Euro ab wenigen Euro im Sparplan
Laufende Kosten keine, nur Kauf- und Depotkosten Fondskosten pro Jahr
Steuerliche Abwicklung KESt-Abzug über die inländische Depotbank bei ausschüttungsgleichen Erträgen komplexer, steuereinfache Fonds erleichtern das

Die hohen Mindeststückelungen sind der Grund, warum viele Unternehmensanleihen für Privatanleger praktisch nicht erreichbar sind. Über einen ETF ist dieselbe Anlageklasse ab kleinen Beträgen zugänglich - allerdings ohne die Sicherheit der Rückzahlung zum Nennwert, weil der Fonds laufend umschichtet. Wie ein solcher Sparplan funktioniert, steht im Beitrag zum ETF-Sparplan.

Steuern auf Anleihen

Zinsen aus Anleihen unterliegen der Kapitalertragsteuer von 27,5 Prozent. Dasselbe gilt für realisierte Kursgewinne beim Verkauf. Bei einer inländischen Depotbank wird die Steuer automatisch einbehalten - damit ist die Steuerpflicht abgegolten.

Verluste aus Kursverlusten können mit Gewinnen aus anderen Kapitalanlagen desselben Jahres verrechnet werden; die Depotbank führt dafür den Verlustausgleich durch. Bei ausländischen Depots ist die Veranlagung selbst vorzunehmen, und die Quellensteuer des Emissionslandes kommt ins Spiel - dazu mehr im Beitrag zur Doppelbesteuerung.

Häufige Fragen

Sind Anleihen sicherer als Aktien?

Sie schwanken meist weniger und werden im Insolvenzfall vor den Aktionären bedient. Sicher im Sinne von risikolos sind sie deshalb nicht: Kursverluste bei steigenden Zinsen und Ausfälle einzelner Emittenten sind reale Möglichkeiten. Welche dieser Risiken sich überhaupt ausschalten lassen und welche jede Anlageform behält, zeigt der Vergleich der risikolosen Anlage.

Was bedeutet Stückzinsen beim Kauf?

Wer eine Anleihe zwischen zwei Kuponterminen kauft, zahlt dem Verkäufer die bis dahin aufgelaufenen Zinsen mit. Beim nächsten Kupontermin bekommen Sie dann den vollen Jahreskupon - unterm Strich gleicht sich das aus, es verschiebt aber den Zeitpunkt der Steuerbelastung.

Lohnen sich Anleihen bei niedrigen Zinsen überhaupt?

Entscheidend ist die Rendite im Verhältnis zur erwarteten Inflation und zu den Alternativen. In Phasen sehr niedriger Renditen tragen Anleihen wenig zum Ertrag bei, dämpfen aber die Schwankung eines gemischten Depots. Wer nur Sicherheit sucht und keine Kursbewegung will, ist mit Bundesschatz oder Festgeld meist besser bedient.

Was ist eine grüne Anleihe?

Bei Green Bonds verpflichtet sich der Emittent, den Erlös für definierte ökologische Projekte zu verwenden, und berichtet darüber. Rechtlich ist es eine gewöhnliche Anleihe mit demselben Bonitätsrisiko - die Verzinsung liegt oft geringfügig unter jener vergleichbarer klassischer Papiere.

Wo sehe ich, was eine Anleihe wirklich abwirft?

In der Rendite auf Endfälligkeit, die jede Bank und jedes Börsenportal ausweist. Sie berücksichtigt Kaufkurs, Kupon und Restlaufzeit. Vom Bruttoertrag gehen noch Kaufspesen, Depotgebühren und 27,5 Prozent Kapitalertragsteuer ab - erst danach steht der Vergleich mit einem Sparprodukt auf gleicher Basis.

Quellen